Mittwoch, 30. September 2015

Erntedank - nicht nur - im Siegerland



Was der Boden gegeben hat. Bei einem Erntedank-Hoffest in Wilgersdorf.  


Mr ha Erndedank / Ernten, was man gesät oder angepflanzt hat


Von Georg Hainer

Ist es nicht einfach wunderbar, im Spätsommer und Herbst ernten zu können, was man gesät hat? Ist es nicht Jahr für Jahr seit Generationen ein Wunder der Natur, dass Kartoffeln, Gemüse, Tomaten und Früchte aus einem kleinen Saatkeim oder an Baum oder Strauch so heranwachsen können? Ja! „Wer sät, der erntet“, heißt es. Egal, in welchem Land man lebt und welcher Religion man sich zugehörig fühlt. Dazu gibt das Land noch gratis dazu, was man gar nicht selbst angebaut hat.

Erntedank, zum Teil mit großen Festen und Umzügen, ist überall auf der Welt verbreitet. Wenn wir auch in der Kindheit mit den Eltern oft sonntags zu Gottesdiensten gingen, so war es zum Erntedankfest klar, dass wir auch später noch dahin gingen. „Da wonn mr hingoah“, sagte die Mutter. Natürlich gingen viele Menschen aus der Straße und aus dem Wohnviertel ebenfalls. Die Kirche war gut gefüllt. Ein Ährenkranz oder Feldfrüchte auf oder neben dem Altar. Hier und da auch Erntekronen, die bei uns aber seltener waren. „Danke“ im Gebet, dass wir ernten konnten und zu essen haben. Das Erntedankfest wurde und wird zu unterschiedlichen Terminen gefeiert, je nach Religion und Region und Anbauschwerpunkten wie Wein und anderem. In der Religion spielt dafür der Michaelistag Ende September eine wichtige Rolle. Früher feierten wir Erntedank am 1. Sonntag im Oktober. So haben wir es bis heute gehalten, egal, wann kirchlich Erntedank auf dem Plan steht.

Kartoffeln waren wichtig
Ende September, Anfang Oktober waren in den Gärten schon länger die Johannes´-, Stachel- und Himbeeren abgeerntet, nun standen Kartoffeln, Weiß- und Rotkohl, die Stangenbohnen und hier und da Kürbis auf dem Plan. Im Siegerland gibt es zig Häuser mit Gärten, sogar in der Stadt mit den Siedlungshäusern, Ein- und Zweifamilienhäuser mit relativ großen Grundstücken auf den Siegener Bergen und sogar bei kleinen Wohnblocks. Richtig viel Land ums Haus haben die „Siedlerhäuser“, teils nach dem so genannten „Reichsheimstättengesetz“ gebaut. Im Großen und Ganzen eine gute Sache. Auf dem „Land“ gab es natürlich noch viel mehr Land ringsum. So richtig große Gärten, Obstbaumwiesen und Felder und Wiesen etwas außerhalb.



Erntedank im Gottesdienst, mit Erntekrone. (Alle Fotos: (c) Presseweller)


Doffeln und mehr
Bei der Doffelernte (Kartoffelernte) gab es meist viele Helfer. Wir gingen auch auf den Westerwald zu Verwandten, um Kartoffeln auszumachen. Zum Schluss wurde ein kleines Feuer entfacht, um Kartoffeln „anzubraten“. Sie wurden dann vor Ort gegessen. Köstlich. Mitte und Ende der 1950er erfolgte der Abtransport dann auch nicht mit einem vom Traktor gezogenen Anhänger, sondern vom Ochsen- oder Pferdegespann. Doffeln oder Duffeln spielen im Land an der Sieg nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Ernährung, auch im nahen Westerwald, wo sie teils „Ärpel“, „Erdäppel“, also Erdäpfel, heißen.
Früher waren meist immer auch Kräuter im Garten, Schnittlauch und Suppenkraut, was im Siegerland „Sobbekrutt“ heißt. In den ländlichen Gebieten, wo Bauern und Nebenerwerbsbauern „das Feld bestellten“, war es wichtig, „dat die Schüer voll wuahr“, dass die Scheune voll wurde. Im Vordergrund stand dabei das Korn. In den Zeiten, in denen noch nicht Großflächenmaschinen einen guten Teil der Ernte bewerkstelligten, war es harte Arbeit, die Feldfrüchte einzubringen.

Selbst Gezogenes schmeckt
Früher und heute – immer mehr – wissen die Eigenanbauer und diejenigen, die so etwas selbst Angebautes in Gerichten kosten können, den natürlichen und nachhaltigen Geschmack von allen diesen Erzeugnissen, die der Boden hergibt, zu schätzen. Da schmeckt die Tomate noch so richtig tomatisch, der Kohl ursprünglich, die Stangenbohne als Salat oder im Eintopf so wunderbar, dass man jede Dose mit Brechbohnen und Co. vergessen wird. In vielen Restaurants setzt man seit wenigen Jahren schon auf Produkte aus der Region, also von regionalen Erzeugern.
Authentisch, bodenständig, ungespritzt oder behandelt und auch nicht Tausende Kilometer umhergekarrt, so wissen die Menschen, die ihre Früchte selbst anbauen, ihre Ernte zu schätzen – eine Zutat zu „gesunder Ernährung“. Wer mal eine alte Apfelsorte aus dem Garten probiert hat, weiß, je nach Sorte, um Saftigkeit, Süße, leicht säuerlich und anders, wie wunderbar das schmeckt. Das ist bei Tomaten, Kohl und anderem auch so. Wer sich von der Pfefferminze im Garten einen Tee zubereitet, merkt direkt, wie viel anders, intensiver das ist, als ein gekaufter Pfefferminztee. Wer das schätzt, wird irgendwann nur wieder ungern auf das auf Ertrag und Masse ausgerichtete Obst, Gemüse und Co. zurückgreifen. Selbst sagte man je nach Eigenlandbäumen früher gern: „Oose Äppel schmecke emmer noch am beste“. So ging es und geht es auch mit anderem selbst angebautem Obst und Gemüse.



Selbst geerntet: Das schmeckt irgendwie anders und intensiver und ist lecker, egal, ob Kartoffeln, Äpfel, Kohl und mehr. Es funktioniert meist auch im kleinen Garten. 


Armut geht leider weiter
Nach wie vor ist der Hunger in der Welt bei Weitem nicht gestillt, wenn die UN auch im Mehr-Jahresvergleich Besserungen sieht. Gerade viele der so genannten „armen Länder“ sind von Krieg oder inneren gewalttätigen Unruhen betroffen. Unabhängig vom Klimawandel, den es alle Jahrtausende und auch alle paar Jahrhunderte gibt, haben manche Erdzonen seit Generationen mit Trockenheit oder Wassermassen sowie teils mit verheerenden Stürmen zu kämpfen. Manche wie in Afrika versuchen, sich mit Saatgut, das sie kaufen müssen, für besseren Ertrag zu helfen. Vielleicht wäre es besser, hier nur laienhaft ohne Bewertung dargestellt, sich auf das zu verlassen, was der Boden hergibt. Die Wissenschaftler für Biologie, Boden, Anbau, Landbewirtschaftung und Co. sollten hier Antworten geben und tun das wohl auch zum Teil.

Kurz, hier bei uns, im Siegerland und anderswo, haben wir allen Grund, „danke“ zu sagen, dass wir täglich unser „Brot“ haben, wie es schon im Vaterunser steht. Und in Siegerländer Platt sagt dann jemand: „Mr mosse froh sinn, dat es oos so goaht geahrt.“ (Wir müssen froh sein, dass es uns so gut geht). Erntedank bietet eine Gelegenheit dazu, sich das ins Bewusstsein zu bringen. 
Im September 2015 

Freitag, 18. September 2015

Buch-Juwel: Alte Zeiten im Siegerland


Nach dem Volksempfänger gab es modernere Radios. (Repro: presseweller)



Magazine Teil 2 sind beim Verlag Buch-Juwel bereits in Arbeit


September 2015. Siegen (Dialog/ prw). Nach den Auftakt-Ausgaben von „Alte Zeiten im Siegerland“ und „Damals in Siegen – Am Rosterhüppel und anderswo“ wird beim Verlag-Buch-Juwel nun mit Hochdruck an den Folgeausgaben gearbeitet. Die bebilderten Magazine sind gerade für die Generation, die den Krieg noch miterlebt haben und die nachfolgende Generation interessant, die ihre Kindheit in den 1950er- und 1960er-Jahren hatten. Damit viele es lesen können, sind die Magazine zum Blättern frei aufrufbar.

Im ersten Teil von „Alte Zeiten im Siegerland“ stellte der Verlag Begebenheiten aus den 1930er- und bis in die 1940er Jahre vor. Im Teil 2 wird es um Kriegs- und Nachkriegszeiten gehen, Bunker, Besatzung, Nachkriegszeit.
Um Schule, Spiele und mehr in den 1950er- und bis in die 1960er-Jahre geht es im Magazin „Damals in Siegen“, das einen Schwerpunkt am Rosterberg hat, der auch „Rosterhüppel“ genannt wird. Da werden sich so einige noch an Leimbachsweiher erinnern, an Spaziergänge mit den Eltern durch Wald und Flur.
Die bisherigen Magazine sind über die Seite „Magazine, Videos, Blogs“ über www.buch-juwel.de frei zum Lesen aufrufbar.


Hinweis: Der Verlag-Buch-Juwel beschäftigt sich vorwiegend mit Siegerländer Themen. Daher auch „Sejerlänner“. Von den verschiedenen Heimatbüchlein ist zurzeit nur noch „Em Siegerland“ verfügbar. Die übrigen sind verlagsmäßig schon lange ausverkauft. Besondere Akzente setzte der Verlag mit „Wo Riewekooche auf den Bäumen wachsen“ und „Wo Eisen in den Bergen“ liegt. In den Büchern ist Mundart stets ein Thema, auch in religiöser Verbindung wie mit der Geburtsgeschichte, dem Vaterunser oder dem Glaubensbekenntnis in Platt. Auf den Seiten wird auch ein Mundart-Wörterbuch betrieben.  

Samstag, 29. August 2015

Decke Doffeln em Sejerland



Dicke Kartoffeln im Siegerland / Reibekuchen und Geschichten




Die Ferndorfer dickste Kartoffel wird wohl noch viel größer sein. (FotoMont.: presseweller)

 August 2015. Kartoffeln waren und sind teils noch fester und häufiger Bestandteil des wöchentlichen Speiseplans bei vielen Siegerländern. Sind die Doffeln oder Duffeln, wie man in der südwestfälischen Region zu sagen pflegt, doch auch die Basis für das Reibekuchenbrot, den "weltbekannten?" Riewekooche, und anderes.

Riewekooche, dieser Begriff ist längst ein Schlagwort für die Einheimischen, auch wenn sie sich fern der Heimat treffen. Man personalisiert den Begriff dann sogar „Best du och e Riewekooche?“ (Bist du auch ein Reibekuchen, ein Siegerländer?). Kartoffeln spielen aber ebenso eine Rolle beim Bäckel, auch eine Art Brot, bei der Dofflnsobbe (Kartoffelsuppe) und den Bröhduffeln, Brühkartoffeln, so ähnlich wie Kartoffelsuppe. Kartoffelsuppe wie der Kartoffelsalat und die früher mit Schmalz gebackenen Reibeplätzchen, die im Siegerland wie das Brot, Reibekuchen, genannt werden, sind aber auch Bestandteil anderer Küchen. Besondere Begriffe sind zum Beispiel noch Quellmänner für Pellkartoffeln, gequallde Gestalde für Pellkartoffeln in einer Zwiebel-Specksoße und (Sejerlänner) Riewe-Klöarße, Klöße aus rohen und gekochten Kartoffeln, wozu eine Zwiebel-Specksoße gehört. Nicht zu vergessen: Riemches-Doffeln, in dicke Streifen geschnittene rohe Kartoffeln, die mit Zwiebeln und mehr gebraten werden. Geht schnell und schmeckt gut. (Mehr zu Siegerländer Gerichten und Backwerken im kleinen Magazin über buch-juwel.de)

Auf der Schubkarre
Dass im Siegerland wie auch im Westerwald früher häufig Kartoffeln angebaut wurden, hat seine Gründe unter anderem in Topographie und Böden. „Anstrengend, aber schön“, sagen viele, die früher die Ernte mitgemacht oder als Kinder geholfen haben. Nach getaner Arbeit saß man gern am „Kartoffelfeuer“ zusammen, in der Glut schmorten frische Kartoffeln, die einfach wunderbar schmeckten, wenn sie endlich „durch“ waren. Auch heute sind noch Kartoffelfelder zu sehen, und dem Spätsommer und Herbst zu laden örtliche Vereine oder Gemeinschaften in verschiedenen Orten zu Kartoffelbratfesten ein.

Ob zu Kartoffeln oder anderem: Schon lange gibt es Geschichten zum Siegerland und Siegerländern mit einer heiteren, lustigen Seite. In früheren Büchern wie „Heiteres aus dem Siegerland“ und anderen, unter anderem im Verlag Vorländer herausgegeben oder in Selbstverlagen, gab es insgesamt viel Lustiges, ob Geschichten zu Thomas Louis und in Beiträgen/ Büchern von Dr. Lothar Irle. In den kleinen Heimatbüchern des Verlags Buch-Juwel greift Autor Georg Hainer ebenfalls oft auf Begebenheiten wie „Die Vermessung der Telefon-Welt“ zurück, die zum Schmunzeln anregen. In diesen unterschiedlichsten Arbeiten erfährt die Leserschaft einiges über die Mentalität der Siegerländer und Brauchtum. So blieb es nicht aus, dass auch die Kartoffel beleuchtet wurde.
In einer alten Geschichte, die man schon als junger Mensch gelesen oder zumindest erzählt bekommen hat, wenn man heimatinteressiert war, ging es um die Kartoffel, um „dicke Kartoffeln“. Die sollten danach die Ferndorfer haben. Die Kartoffeln waren so groß und schwer, dass ein einziges Exemplar mit der Schubkarre transportiert werden musste, es ist sogar von einem Kuhgespann die Rede. Aus solchen Geschichten hat sich der Spruch erhalten „Die Ferndorfer haa de deckste Doffeln“ (die Ferndorfer haben die dicksten Kartoffeln). Schön.
In Ferndorf hat sich die Sache mit der dort genannten „degge Duffel“ erhalten. So wird der Seite www.ferndorf.de des "Vereins zur Pflege der Dorfgemeinschaft Ferndorf" Medienberichten nach zum Jubiläum „200 Jahre Westfalen“ im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte“ bis ins nächste Jahr hinein eine von der Dorfgemeinschaft gelieferte, naürlich handwerklich hergestellte und gestaltete, also nicht gewachsene, Ferndorfer Riesen-Kartoffel zu sehen sein. Gespannt sein darf man schon auf die Duffel im Jahre 2017. Dann feiert der Ort, der zu Kreuztal gehört, sein 950-Jähriges. Da werden sich die „Züchter“ wohl noch einiges einfallen lassen. (Jürgen Weller)


Geschichten und mehr zum Siegerland in Magazinen zum Blättern und Blogs können Sie – zugangsfrei – über http://www.buch-juwel.de aufrufen und lesen. Sie finden dort auch Hinweise auf Heimatbücher des Verlags und Poster.  

Donnerstag, 30. Juli 2015

Auf Backestour im Siegerland



Schön und idyllisch, der Fachwerk-Backes auf der Wiese in Langenholdinghausen. Nur ein paar Meter daneben fließt der Bach vorbei.                                    (Foto: presseweller)


Der Backtag war in früheren Zeiten etwas Besonderes


Juli 2015. Siegen (dialog/ prw). „Backes“ so wird in vielen Dörfern des Siegerlandes das zentrale Backhaus genannt. Nachdem es ruhiger um diese traditionellen Backeser geworden war, sind seit schon so einigen Jahren in vielen Orten wieder solche Backhäuser zu sehen, meist fein herausgeputzt. Viele standen und stehen gleich an einem Bach oder in der Nähe davon.

„Wenn bi oos em Dorf gebacke wuur, woar dat emmer wat Besonneresch“ (wenn bei im Dorf gebacken wurde, war das immer etwas Besonderes) erzählte Emmy. Der Teig wurde zu Hause vorbereitet und in großen Schüsseln oder Trögen in den Backes gebracht. War man nicht als Erster dran, war der große steinerne Backofen bereits eingeheizt. Früher dienten zur Feuerung neben anderem Schanzen, so heißen die Reisigbündel, die bei der Haubergsarbeit anfallen. War die Glut gut und die richtige Hitze erreicht, wurde der Ofen ausgeräumt, und es konnte mit dem Backen losgehen. Wer wann dran war, wurde in diesem Dorf im Freudenberger Land ausgelost. Wer als Erster vom Los bestimmt war, musste auch den Ofen anheizen. Im Nachgang nach dem Brot wurde mit der Resthitze noch „Blechkuchen“, zum Beispiel Streuselkuchen, gebacken. Übrigens ging es natürlich bei den Familien nicht nur um ein Brot und einen Kuchen, sondern es wurde direkt auf Vorrat gebacken. So erzählte man es uns aus diesen alten Zeiten aus den 1930er- und bis in die 1950er-Jahre.

Neu, renoviert und wieder Backtage
Mit der Neuzeit verschwand hier und da der Backes oder war verfallen. Es waren meist Heimatvereine, die sich der Tradition annahmen. Backhäuser wurden neu aufgebaut oder grundlegend renoviert. Seit Langem gibt es auch wieder Backtage und sogar Backesfeste. Meist kann auch direkt vor Brot gekauft werden. Backesbrot oder richtiges „Schanzenbrot“ ist bei vielen beliebt. Seit Jahren wird auch eine Broschüre mit den Backtagen in den verschiedenen Orten herausgegeben. Sie ist unter anderem beim Tourismusverband Siegen-Wittgenstein erhältlich.

Von Mausbach bis Wilnsdorf
Mittlerweile gibt es wieder eine ganze Reihe an Backhäusern, oft im schmucken Fachwerkstil. Der Reigen geht von der nahen Grenze des Siegerlandes wie in Mausbach und anderen Dörfern des Freudenberger Landes wie in Heisberg und Heuslingen über das Netpher Land wie in Helgersdorf und eingemeindete Orte im Bereich Siegen wie Bürbach und Eisern bis nach Burbach wie in Wahlbach und an die hessische Grenze im Hickengrund wie in Niederdresselndorf.
Man kann sich also verschiedene Touren vornehmen, um auf die Backes-Spuren zu kommen. Und wer Brot kaufen und – je nach örtlichem Angebot – gleich probieren will, unternimmt seinen Ausflug am besten, wenn Backtag oder Backesfest ist. Emmy sah das auch so: „Backesbroart schmeckt good, annersch als dat annere.“ Einfach mal selbst probieren.

Tipps zum Belag
1. Die einen mögen es am liebsten mit „guter Butter“.
2. Andere mit Schmalz
3. Wieder andere, ideal, wenn vor Ort vorhanden, mit Hausmacher Blut- oder Leberwurst
4. Dann auch noch mit Butter und Marmelade, Gelee oder Honig
Jeder, wie es ihm am besten schmeckt.                                                              (presseweller)


Autor Jürgen Weller schreibt und veröffentlicht in Zeitungen und Zeitschriften seit über 35 Jahren zu Siegen und Siegerland, von Veranstaltungstipps über Geschichten mit Besonderheiten des Siegerlandes bis zu Reiseberichten und Magazinen.

Mehr zum Siegerland gibt es bei freiem Zugang auch auf den Seiten http:/www.buch-juwel.de


Hinweis für Redaktionen: Zu weiteren Fotos zu diesem oder anderen Siegerländer Themen (honorarpflichtig) bitte anfragen bei buchjuwel>at<gmx.com.

Samstag, 4. Juli 2015

Siegerland: In den Ferien ein Stück Heimat und Geschichte entdecken


Es gibt viel zu sehen:  Backhäuser, Kapellenschulen und Bergwerksstollen


Juli 2015. Siegen (buch-juwel). Endlich Sommerferien. Aber nur wenige verreisen die ganzen Wochen über, sondern sind zwischendurch zu Hause. Das wäre doch eine Zeit, um mal auf Entdeckungsreise in der Heimat zu gehen. Für den Nachwuchs wäre es doch einmal etwas, in ein "Bergwerk" einzufahren. Das Siegerland hat da so einiges zu bieten, von Strand, Meer und alpinen Bergen abgesehen, sicher mindestens so viel wie so mancher Urlaubsort. Oft noch viel mehr. 

Da muss man nicht nur in diese hübschen Dörfer und Täler fahren, in denen weit und breit nur Grün von Wiesen, Wäldern und Weiden zu sehen ist, da kann man auch mehr zu Niederwäldern, den Haubergen, erfahren. Die gibt es sonst kaum zu sehen. In Fellinghausen ist ein historischer Hauberg angelegt, in Walpersdorf, im jungen Tal der Sieg, sind ab und an noch Kohlenmeiler aufgeschichtet. Gleich nebenan gibt es einen Wanderparkplatz. Weiter hoch zur Siegquelle, zur Lahn- und Ederquelle. Einkehr ist meist überall möglich. Backhäuser, ehemalige Kapellenschulen, Bergbaugeschichte, teils mit Grubenführungen, erzählen von alten Zeiten. Unsere Hinweise erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, geben aber so manchen Tipp. Vielleicht wäre das ja mal etwas für einen kleinen Urlaubsausflug. 


Grüne Täler, Wälder und Hauberge, hier in Helgersdorf. (Fotos (c): presseweller)


Alte Bergwerke

Die Region wird mit dem Eisenerzabbau verbunden. Neben Silber, Bleiglanz und anderem war Eisenerz die Hauptsache. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In Eiserfeld ist der Reinhold-Forster-Erbstollen erhalten, quasi „unter Tage“ geht es auch im Wotanstolln in Salchendorf bei Neunkirchen, im Bergmannsdorf Müsen gibt es ein kleines Museum mit Stollen, auf der Eremitage, wenn man nach Niederdielfen abzweigt, einen Förderturm mit kleinem Museum. Diese Einrichtungen haben nur zeitweise geöffnet. Man sollte sich auf den Internetseiten der Gemeinden informieren. Weiter unten haben wir einige Informationen für Sie zusammengetragen. 
Im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss gibt es ebenfalls einen „Stollen“, in den man „absteigen“ kann. Das Museum hat in der Regel von dienstags bis sonntags geöffnet. Abgesehen vom Gebäude, das ehemalige Telegrafenamt, hat man sich im Museum für Gegenwartskunst am Unteren Schloss eher der Moderne geöffnet. Normalerweise gibt es jeden Sonntagnachmittag eine öffentliche Führung. Einen recht umfassenden Einblick in die Bergwerksgeschichte bieten das Museums-Bergwerk in Sassenroth bei Herdorf und das Besucherbergwerk Bindweide in Steinebach (Westerwald) – nur rund 35 Kilometer entfernt –, wo man mit dem „Grubenzug“ einfährt. Erlebnisreiche Regionsgeschichte hautnah.


Im traditionsreichen Müsen gibt es das Stahlbergmuseum.  


Backes und Kapellenschulen

Die Tradition der Backhäuser, im Siegerland meist „Backes“ genannt, ist seit Jahrzehnten wieder aufgelebt. Diese kleinen Häuschen, ob in Fachwerk oder Stein, gibt es mittlerweile in vielen Orten. Ansehen ist eine Sache, interessant ist, wenn „Backtag“ ist oder es ein Backesfest gibt. Oft kann man die knusprigen Brote auch direkt kaufen. Auf den Veranstaltungsseiten einiger Gemeinden im Internet wird zum Teil auf diese Backtage hingewiesen. Es gibt auch auch eine Broschüre. Kann man bei der Tourismusinformation Siegen-Wittgenstein oder örtlich beim Tourismus- oder Kulturbüro nachfragen.


Bekannt im Land: Ehemalige Kapellenschule in Eisern. Nebenan ist auch der Backes. 

Meist in typischem Fachwerk haben sich so viele ehemalige Kapellenschulen im Siegerland erhalten. Da kann es quer durchs Siegerland auf Entdeckungsreise gehen, von Alchen bis nach Sohlbach. Nur zum Schauen. Die Gebäude werden heute meist von Heimatvereinen genutzt. Bei Buch-Juwel gibt es ein Poster DIN-A2 mit 20 – ehemaligen – Kapellenschulen in heutiger Ansicht.

Und wenn man zwischendurch eine Abkühlung sucht, besucht man eines der Freibäder. Die gibt es in vielen Orten. Vielleicht einmal nicht nur das einem bekannte Freibad, sondern ein anderes ausprobieren. Möglichkeiten dazu gibt es reichlich.              (jw)

Ein paar Tipps für mehr Infos

Wenn Sie sich umfassender informieren möchten, schauen Sie ins Internet. Einige der möglichen Zugänge sind unten aufgeführt, jedoch ohne Gewähr zu zwischenzeitlichen Änderungen, Verlinkungen usw. Derzeit angegebene Öffnungszeiten sind ebenfalls unten aufgeführt. Auch dafür können wir keinerlei Gewähr geben. Irrtum bleibt stets vorbehalten. Wegen genereller Änderungen der Betreiber, Bauarbeiten und anderem kann es zu anderen Öffnungszeiten oder Schließungen kommen. Zum Teil gibt es auch Sonderöffnungszeiten (und Schließungen) zu Feiertagen. Deshalb empfehlen wir, sich jeweils aktuell im Web zu informieren oder anzurufen. Zum Teil sind Rufnummern zur Information auf den Internetseiten angegeben.
Bitte beachten Sie, dass es bei Stollenführungen „unter Tage“ weitaus kühler (meist unterhalb von 10 Grad) ist als "ober Tage".

Siegen: Über die zentrale Webseite siegen.de gelangen Sie zum Beispiel zum Siegerlandmuseum und Museum für Gegenwartskunst (auch mgk-siegen.de). Beide Museen haben in der Regel von dienstags bis sonntags geöffnet.
Reinhold-Forster-Erbstollen in Eiserfeld. Von April bis Oktober jeden 1. Sonntag im Monat Führung von 14 bis 15.30 Uhr.

Wilnsdorf: Museum Wilnsdorf und Förderturm Niederdielfen (unterhalb der Eremitage) über die zentrale Webseite wilnsdorf.de. Das Museum hat in der Regel mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, der Förderturm jeden 2. Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

Salchendorf (Neunkirchen): Wodanstolln. Mehr über die Heimatvereinsseite heimatverein-salchendorf.de. Von März bis November jeden 1. Samstag und Sonntag Führungen ab 14 Uhr.

Müsen (Hilchenbach): Stahlbergmuseum. Mehr auf stahlbergmuseum.de. Von März bis September jeden 2. Sonntag Führungen von 14.30 bis 16.30 Uhr.

Im Nachbarkreis Altenkirchen: Bergbaumuseum Sassenroth (bei Herdorf). Mehr auf kreis-altenkirchen.de/BERGBAUMUSEUM. Dienstags bis sonntags geöffnet.

Besucherbergwerk Bindweide in Steinebach (zwischen Betzdorf und Hachenburg). Mehr auf bindweide.de. Von 1. April bis 31.Oktober geöffnet: mittwochs, samstags, sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr. In der Nähe, im Bereich der Steineberger Höhe, die selbst auf knapp unter 490 Meter Seehöhe liegt, gibt es auch den rund 18 Meter hohen Barbara-Turm. Je nach Wetter gibt es eine gute Aussicht, bis zum Siebengebirge.

Backhäuser/ Backes und ehemalige Kapellenschulen: Zum Teil können Sie hierzu ebenfalls auf den Internetseiten der Gemeinden fündig werden. Fragen Sie ansonsten bei uns an (buch-juwel.de). Wir können Ihnen viele Orte nennen, in denen es solche Gebäude noch gibt.

Mehr zum Siegerland, auch Kurzfilme und mehr, gibt es immer auf http://www.buch-juwel.de,
Reiseberichte und Infos überregional auf http://www.presseweller.de


Freitag, 26. Juni 2015

Siegerland: Quellen im Rothaargebirge entdecken und Kulturprogramm nutzen


Selbst Siegen, hier mit der Krönchen-Kirche, 
ist von Grün umgeben. (Fotos: presseweller)



Über den Sommer gibt es auch für Urlauber einiges zu erleben


Juni 2015. Siegen (dialog/prw). „Siegerland“ manche haben den Begriff für das Land rund um die Sieg im südwestfälischen Westfalen, im Länderdreieck Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen, schon gehört. Urlauber können auf Entdeckungsreise gehen, um Besonderes zu entdecken oder kulturelle Veranstaltungen zu genießen, die bereits vor Wochen ihren Anfang nahmen.

Auf die reiche Geschichte des Landes an der Sieg, wo schon vor über 2000 Jahren die Kelten Eisenerz gewannen, wohl der Maler Peter Paul Rubens 1577 geboren ist und die Heimat von Jung-Stilling, dem Lehrenden und mehr ist und der besonders durch seine Augenoperationen zum Grauen Star bekannt wurde, gehen wir an dieser Stelle nicht näher ein. Es ist aktuell das Land, das noch ausgesprochen schöne Tallandschaften wie nach Breitenbach oder Beienbach und Dorfidylle wie in Grund, Ruckersfeld, Ölgershausen und anderswo bietet. Hier, wie auch im Heuslingtal im Freudenberger Land, fühlt man sich schnell in altes Liedgut versetzt: „Im schönsten Wiesengrunde ...“. Für Urlauber tut sich ein Füllhorn des Wanderns und Entdeckens auf, wozu auch die Fachwerkorte wie Freudenberg, den die Einheimischen „Flecken“ nennen, und Hilchenbach sowie viele andere gehören. Wer über die passartige, von Wald und schönen Aussichten begleitete Straße von Walpersdorf im Netpherland auf die Höhe des Rothaargebirges auf über 600 Meter fährt, kann gleich drei Ursprünge wichtiger Flüsse kennenlernen: Sieg, Lahn und Eder. Es ist zugleich eine Welt zum Wandern – mit Zugang zum Rothaarsteig – und zum Einkehren. Vielleicht mal ein „Siegerländer Krüstchen“ probieren: paniertes Schnitzel auf Brotscheibe, mit Spiegelei überdeckt und mit Salaten umlegt. Ein Klassiker. Wer nicht fahren muss, kann sich dazu auch eines der typischen Siegerländer Biere – je nach Angebot -, gönnen: ein Erzquell, ein Krombacher, ein Eichener oder ein Irle. Wohl bekomm's!




Auf Entdeckungsreisen zu kleinen Kirchen, hier in Herzhausen, 
zu ehemaligen Kapellenschulen und Backhäusern, Backes genannt, gehen. 



Buntes Programm
Bereits ab dem späten Frühjahr gibt es ein buntes Programm. Im Hof und Park des Oberen Schlosses in Siegen läuft zurzeit noch das Sommerfestival mit Konzerten, Theater und mehr, Kindertheater eingeschlossen. In der Reihe „Sonntagsnachmittags um 4 ...“ gibt es bis September live und draußen im Schlosspark Auftritte von Kapellen und Bands, von Blasmusik bis Jazz. Ein beliebter Anziehungspunkt. Ob „Mittwochs in...“, „Freitags in ...“ und wann auch immer „in“: Das gibt es ebenfalls in anderen Orten wie Kreuztal, Netphen und Freudenberg. Draußen-Konzerte. Freudenberg steht darüber hinaus nochmals im Blickpunkt wegen der über die Grenzen hinaus bekannten Freilichtbühne, wo auch dieses Jahr wieder ein Kinder- und ein Erwachsenenstück auf dem Programm stehen.
Kultur-, Geschichts- und Kunstinteressierte können sich in den Museen umschauen, in denen es zum Teil auch Sonderausstellungen gibt. Wir nennen hier einmal beispielhaft das Siegerlandmuseum im Oberen Schloss in Siegen, das Museum für Gegenwartskunst in Siegen, das facettenreiche Museum Wilnsdorf und das Technikmuseum in Freudenberg. Es gibt auch Museen und Stollen zur Eisenerzgeschichte wie zum Beispiel in Eiserfeld sowie in Salchendorf bei Neunkirchen und auf der Eremitage zwischen Siegen und Wilnsdorf. Eine „runde Sache“ mit Freiflächen und Stollen findet sich in Müsen, zwischen Kreuztal und Hilchenbach. Bitte beachten, dass viele dieser Museen nur sehr begrenzte Öffnungszeiten haben!
Über das Wetter wird viel gesprochen und vorhergesagt: In den vergangenen Wochen war es in Teilen des Siegerlandes schön und sonnig genug für die Terrasse, als es anderswo regnete. Es ist eben lokal verschieden. (presseweller)

Infos zu Orten und Kulturellem gibt es über die jeweiligen Webseiten der Orte. Ansonsten kann man bei uns anfragen. Auf http://www.buch-juwel.de geht es ständig „rund ums Siegerland“, auf http://www.presseweller.de finden sich Reiseberichte zu den verschiedensten Regionen, von Norddeutschland und Schwarzwald über Osttirol und Kärnten bis ins nördliche Italien und Slowenien. Man kann auch Videosequenzen und Blättermagazine frei aufrufen.


Samstag, 13. Juni 2015

Rieselwiesen in Rinsdorf/ Siegerland

Kommentar zu Rieselwiesen
13. Juni 2015. Fährt man von Wilnsdorf nach Rinsdorf - oder in die entgegengesetzte Richtung, sieht man sie im Tal, die so genannten Rieselwiesen. Ursprünglich waren sie dafür angelegt, mit einem ausgeklügelten System Wiesen und anderes gezielt bewässern zu können. Ein Relikt im Siegerland. Diese historische Methode der Wiesenbewirtschaftung war seinerzeit etwa ganz Besonderes, und es ist wohl Heimatvereinen und anderen zu verdanken, das sie noch sichtbar ist. Nun gibt es der Presse nach wohl Differenzen dazu, wie diese Anlage  aufrecht erhalten werden kann.

War der Wiesenbau ehedem überregional ein Thema, Wiesenbauschule in Siegen, wird er heute wohl kaum regional noch thematisch gewürdigt, Man hat ja auch schon lange nahezu alle Fördertürme abgebaut. Dabei könnte man ,mit diesen Besonderheiten der Region, vom Erzbergbau über Haubergswirtschaft und Rieselwiesen, natürlich bei historisch Interessierten und Urlaubern, die nicht ans Meer wollen, wuchern! Schade.
 Dafür, das solche wichtigen althergebrachten Dinge von überregionaler Bedeutung vor Ort erhalten werden,wie die Rieselwiesen, sind natürlich die Gemeinden zuständig. Die Heimat- oder sonstigen Vereine können nur unterstützende Hilfe leisten.                                                            
Jürgen Weller



Rieselwiesen in Rinsdorf, Kulturgut und Geschichte. (Foto: presseweller).