Freitag, 10. Juni 2016

Neue Gedichte: Heimat Siegerland


Der Backes von Langenholdinghausen. Er ist einer von vielen Siegerländer Backhäusern heutiger Zeit. (Foto: (c) presseweller)

Für so viele Menschen ist das Siegerland Heimat, selbst dann, wenn sie nicht mehr hier wohnen. Es sind die Örtlichkeiten und die Freunde von früher, zu denen man vielleicht heute noch Kontakt pflegt oder pflegen kann. Schließlich gehen die Jahre dahin. Sie schmelzen wie Butter in der Sonne. Aber ob von außerhalb oder noch hier wohnend: Es ist das Pfund der Erinnerungen, das im Kopf und vor allem im Herzen bewahrt wird.
Der Siegerländer Autor Georg Hainer hat in den großen See der Erinnerungen nochmals einige schillernde Tropfen gegeben, die sich mit der Heimat beschäftigen, einmal, beim Gedicht "Heimatgedanken", das in Siegerländer Platt verfasst ist - Übersetzung inklusive - und an Backes, Eichenwälder und Hauberg erinnert, zum anderen, bei "Raus in die Ähl" , das eine Szenerie aus den 1950er-Jahren vom Rosterberg in Siegen  beschreibt. Die kleine, von Wald umgebene Bank, auf der man gerne zusammensaß und gemeinsam schwätzte und sang - romantische Abende.
So vieles hat sich verändert ...!
Über die Seite www.buch-juwel.de können die Gedichte ohne Anmeldung aufgerufen werden.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Siegen früher: Geschäfte an jeder Ecke und die ersten Autos in den Straßen

Teil 3 von "Rosterberg und anderswo" / Vom Geldbriefträger über erste Autos bis zu vielen Einkaufsmöglichkeiten in den 1950er- und -60er-Jahren / 16 Seiten zum Erinnern/ In der Eintracht mit Johanneskirche und in der Ähl/ Viel Grün in Gärten und Wäldern




Von seitlich der Koblenzer Straße über Peter- und Paul-Kirche bis zur Eisernhardt. Links hinten ist die Diesterwegschule zu sehen. (Bild/ Montage: presseweller)

Siegen. 25. Mai 2016 (DiaPrW). Das waren noch zum Teil praktische Zeiten, und so mancher wird sich gerne erinnern, als es in Wohngebieten wie am Rosterberg in Siegen sowie auch in anderen Wohnvierteln und Orten überall Geschäfte gab. Bäcker, Fleischer, Obst, Gemüse und Lebensmittel sowie Frisör und Schuster – alles nah. Da kam sogar noch der Geldbriefträger ins Haus. Es war die Nachkriegszeit der 1950er, als es auf der Eintracht noch die Johanneskirche und den Löschteich gab. Der Verlag Buch-JuWel legt nun die dritte Ausgabe des bebilderten Magazins „Früher in Siegen – Am Rosterberg und anderswo“ mit reichlich Lesestoff auf insgesamt 16 Seiten vor. 

Da werden für viele nicht nur Erinnerungen wach, sondern jeder kann auch einen Vergleich zu heute ziehen. Schön: Das Magazin zum Blättern ist über die Homepage (buch-juwel.de) ohne Anmeldung frei zum Lesen aufrufbar.


Einmal mehr geht es im Magazin um eine Fülle von Themen aus den 1950er- und -60er-Jahren, die sich rund um das Wohngebiet Rosterberg und etwas darüber hinaus drehen, stellvertretend für viele andere Örtlichkeiten. Im 16-seitigen Blättermagazin gibt es jede Menge Lesestoff und und lässt diejenigen, die sich erinnern, sagen: „Ach ja, so war das früher!“ Jeden Vormittag zog der im Viertel bekannte Briefträger durch die Straßen, und auch der Geldbriefträgr kam noch, um zum Beispiel die Rente bar auszuzahlen. Wie schön. Bald standen die ersten Autos in den Straßen, und man ging zum Gottes- oder Kindergottesdienst in die Eintracht, wo später die Siegerlandhalle gebaut wurde und die Kirmes ihren Platz bekam. Alte und neuere Fotos ergänzen das informative und unterhaltsame Magazin. Über die Seite „Magazine, Videos, Blogs“ auf www.buch-juwel.de kann das Magazin zum Blättern „Früher in Siegen, Teil 3“ ohne Anmeldung aufgerufen und gelesen werden.  

Donnerstag, 24. März 2016

Moos sammeln: Osterzeit früher

Nester bauen, Eier verstecken und mit anderen „kippen“


März 2016. Siegen (DiaPrW). Ostern ist eine besondere Zeit, neben Weihnachten das größte Fest der Christenheit. Es ist auch die Zeit des erwachenden Frühlings. In den 1950er- und -60er-Jahren „fühlte“ es sich anders an als heute. Wie auch heute noch meist, war um die Osterzeit die Wohnung frühlingshaft und österlich dekoriert. Hasen- und Kükenfiguren sowie Sträucher gaben den Ton an. Je nach dem, auf welche Zeit Ostern fiel, blühten draußen blau- violette Krokusse, zeigten sich die Forsythien in kräftigem Gelb. Damals ging es aber darum, selbst Nester aus Moos herzurichten, an Karfreitag einen stillen Tag zu haben und an Ostern mit anderen Eier zu „kippen“, anzustoßen. Vielleicht erinnern Sie sich an diese Zeit, wenn sie auch von Region und Region wieder anders verlief. Schulzeugnisse gab es auch!



Bunte Eier und der Osterhase gehören zum Fest. (Alle Fotos: presseweller)


Ostern war zur Kindheit bei uns immer etwas Besonderes. Das „Einleben“ darauf begann am Palmsonntag. In der Woche vor dem Fest führten uns die Spaziergänge mit Mutter in den Wald. Das war nicht ungewöhnlich, weil wir, wie häufig im Siegerland, in unserem Wohnviertel am Rosterberg ringsum Wald hatten. Aber es war nicht nur ein Spaziergang. Wir sammelten Moos. Grund dafür: Davon bauten wir Osternester, also solche, in die der Hase auch die Eier aus der Kiepe ablegen konnte. Da waren wir überall fleißig zugange. Klar, wie so ein Moos-Nest gebaut wurde, hatten uns die Eltern gelehrt, und sie halfen auch mit. Sie kannten es noch aus ihrer Kindheit. Und wir haben es an unsere Kinder weitergegeben. Es mag heute anders sein.

Stiller Tag: Karfreitag und Fisch

Es war ohnehin – seit Aschermittwoch – Fastenzeit. Viele hielten sich daran. Unsere katholischen Freunde aßen zum Beispiel währenddessen keine Klümpchen (Bonbons) oder Schokolade, die es ohnehin nicht häufig gab. Zumindest an Karfreitag war aber auch für uns „Fasten“ angesagt. Die Geschäfte ringsum hatten frischen Fisch im Angebot. An Gründonnerstag ging daher die Mutter ins damalige Konsum und kaufte frischen Fisch. Meist in gebratener Form kam er dann mit Gemüse und Kartoffeln am Karfreitag auf den Tisch. Andere entschieden sich stattdessen für Eier und Spinat. Das stand zum Teil auch an Gründonnerstag auf dem Speiseplan. Am Samstag waren Wurst und Fleisch immer noch tabu. Ging ja. Der Karfreitag verlief ruhig. Laute Musik gab es nicht, und das Radio war aus. Bis nach Mitte der 1950er hatten wir noch gar keinen Fernseher.



Osterkronen sind schmuckvoll.


Kirchgang und Eiersuche

Ostern wurde gute Kleidung, Sonntagskleidung, angelegt. Festliches Glockengeläut lud zum Kirchgang ein. Da saßen wir in den Bänken und hörten andächtig die biblische Geschichte von Jesu Auferstehung wie im Glaubensbekenntnis, wo dieser Passus früher „… am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten...“, hieß. Ja, der Erlöser, der Heiland. Nachdem der Pastor gesagt hatte: „Allen frohe Ostern!“ zogen wir nach dem Gottesdienst mit Freude im Herzen wieder nach Hause.
Uns Kinder erwarteten nun keine besonderen Geschenke, wie das heute auch zu diesem Fest schon oft üblich ist, sondern es galt, in die selbst aufgestellten Nester zu schauen und dazu diejenigen Ablagestellen zu suchen, die der Osterhase im Garten und/ oder in der Wohnung versteckt angelegt hatte. Da schaute Mutter oder Vater aus dem Fenster und rief „Oh, gerade habe ich den Osterhasen gesehen.“ „Wo?“ „Da vorne, aber jetzt ist er schon um die Ecke.“ So bekamen wir ihn nie leibhaftig zu Gesicht. Na ja.
Hatten wir nicht alle Nester gefunden, gab es hilfreiche Tipps von den Eltern. Manchmal war auch noch ein Schokohäschen oder ein Schoko-Ei dabei. Eier wurden außerdem nachmittags beim Waldspaziergang versteckt. „Ich habe da oben hinter dem Baum etwas Rotes gesehen,“ wobei Vater den Kopf in diese Richtung schwenkte. Gleich stürmten wir los und wurden fündig. Auch hier war also der Osterhase fleißig am Werk.
An den Ostertagen stand ebenfalls das Eier-Kippen – das überall wieder anders wie auch Ditschen genannt wird – zu Hause und mit Freunden auf dem Programm: Jeder Beteiligte hatte ein Ei in der Hand. Dann klopfte es einer auf das Ei des anderen. Meist zuerst auf die Spitze und dann teils auch noch auf den runden Teil. Zerbrach die Schale nicht, konnte der andere „kippen“. Das zerbrochene Ei war quasi der Gewinn, und man aß es meist gleich auf. Natürlich gab und gibt es auch Eierrollen, wie wir gerade aus einem Bericht vom Westerwald erfuhren, und das Eierwerfen, das bei uns praktiziert wurde. Das Ei wurde entweder weit geworfen oder hoch über ein gespanntes Seil oder früher eine Wäscheleine. Freunde erzählten mir, dass sie das Jahr für Jahr noch an Ostermontag aus gelebter Tradition praktizieren, und zwar mit den Familien der Kinder und den Enkeln sowie teils auch mit den Familien der Geschwister. So gerät es nie aus der Vergessenheit, und die Kinder oder später die Enkel selbst werden diesen Brauch vielleicht weiterhin pflegen. Schön.
Das besondere Feiertagsessen nach Ende der Fastenzeit, einschließlich der verschiedenen Kuchen, gehörte natürlich dazu. Meist stand an Ostermontag auch noch der Besuch der Großeltern an. Da trafen wir dann auch die Tanten und Onkels, die Kusinen und Cousins. Erzählen, spielen, Eier werfen und mehr sorgten für einen abwechslungsreichen Tag und den Ausklang der Ostertage. Und ein Nest mit bunten Eiern gab es als Geschenk noch dazu. So konnten wir tagelang noch mit den Freunden „kippen“ und Ostereier essen.


Blüte in kräftigen Farben: Frühling, Ostern!


Schule beginnt danach

Die Kinder früher hatten trotz der schönen Osterzeit ein kleines Problem. Zu unserer Zeit begann nach Ostern ein neues Schuljahr. Für manche stand das erste Schuljahr an. Für die anderen war die Osterzeit mit Beginn der Ferien bereits mit Zeugnissen verbunden, „Giftblätter“ genannt. Wie wird es ausgefallen sein? Versetzt in die nächste Klasse? Bei den meisten in der Volksschule hieß das „Ja“. Trotzdem war es spannend und „erlösend“, wenn die Noten weitgehend in Ordnung waren. Dann war die Osterfreude noch größer. Und den baldigen I-Männchen stand die Einschulung noch erst bevor. Der Zeitpunkt der Einschulung hat sich schon lange geändert. Das gilt auch für die Lehrinhalte, die immer wieder, ich sage „experimentell“,verändert wurden wie die Schulformen, bei denen inzwischen der Durchblick schwieriger wird. Aber das ist so. Wir, unsere Kinder und Enkel konnten wie alle anderen dennoch unabhängig davon stets das schöne Osterfest genießen. (jw)

Ein paar Infos zu Ostern: Ein besonderes Fest der Christenheit, das sich bei uns zeitlich am ersten Frühlingsvollmond orientiert. Am Sonntag danach ist Ostern. Daher gibt es Jahr für Jahr einen anderen Termin im Rahmen des Gesamtzyklus'. Wie bei Weihnachten und Neujahr kann das Osterfest je nach Glaubensrichtung, Kirche (orthodox usw.) auf einen anderen Tag fallen. Gefeiert wird die Auferstehung des Herrn „Das Grab ist leer ...“. So können wir es in der Bibel lesen. Bestandteile der Osterzeit sind Palmsonntag (Einzug Jesu im Jerusalem), Gründonnerstag (Abendmahl) und Karfreitag (Jesus am Kreuz). Das Fest wird auch in Zusammenhang mit dem jüdischen Passah-Fest gebracht sowie ebenfalls mit germanischen Frühlingsfesten nach der Göttin Ostara, wie wir es in der Schule noch gelernt haben. Laut Wikipedia gilt die Ostara-Ableitung aber inzwischen als umstritten. Hasen und Eier werden unter anderem als Fruchtbarkeitssymbole gesehen, "neues Leben entsteht". Es gibt unterschiedlichste Deutungen. In allen möglichen Bildern zum Osterfest sind auch flauschige Küken neben dem Hasen mit der Kiepe zu sehen. Zahlreiche Künstler haben sich ebenfalls mit der Osterzeit beschäftigt, ob mit Darstellung der Kreuzigung oder des heiligen Abendmahls.

Lesen Sie zu "früher" auch andere Beiträge. Sie können sie über die Seite "Magazine, Videos..." auf http://www.buch-juwel.de frei zum Lesen aufrufen. 

Alle Fotos: (c) presseweller


Freitag, 12. Februar 2016

Der Naturpark "Sauerland"-Rothaargebirge - mit Siegerland



Das ist Rothaargebirge. Quellbereich der Sieg. (Fotos (c): presseweller)

Warum Zusatzbezeichnung? Naturparks sind Teil des Freizeiterlebnisses,

aber kein Museumsbild, das man nicht anfassen darf


Kommentar

Jürgen Weller

Siegen. 12. Februar 2016 (DiaPrW). Im Quellgebiet von Sieg, Lahn und Eder sind wir gerne einmal unterwegs. Schon im Vorhinein, als es Geplänkel um die Bezeichnung des Naturparks Rothaargebirge gab, fragte auch ich mich, warum nun gerade „Sauerland“ als Begriff noch angehängt bzw. sogar vorangestellt werden sollte. (siehe dazu auch meinen Kommentar aus 2014). Nun geht es aktuell auch schon um den Abbau von Rast- und Parkplätzen.

Die „Sauerland“-Befürworter haben sich durchgesetzt, trotz der Bedenken in anderen Regionen. Im Frühjahr 2015 stand schließlich fest: Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Na klasse. Wozu? Das ist einseitig, weil auch der Märkische Kreis, das Siegerland mit seinen Misch-, Laub- und Nadelwäldern sowie das sehenswerte Wittgensteiner Land Teil des neuen Naturparks sind wie eben auch das sicher landschaftlich reizvolle Sauerland. Da man in eine solche Bezeichnung, die zugleich als Vermarktungsname steht, nicht alle Beteiligten packen kann, weil das nicht griffig wäre, frage ich mich daher heute wie damals, warum es nicht einfach „Naturpark Rothaargebirge“ heißt?! Welche Interessen haben da mitgespielt?

Woanders geht's prima

Andere machen das vor, auch wenn verschiedene Länder beteiligt sind: Nationalpark Hohe Tauern, also ohne Zusatz Kärnten oder Tirol; einer der ältesten Nationalparks Europas, der Triglav- Nationalpark im heutigen Slowenien, ist nach dem höchsten Berg, dem Triglav, benannt. In Deutschland sind es zum Beispiel Nationalpark Müritz, Sächsische Schweiz, Eifel usw. usw.
Warum es im südlichen Westfalen anders sein muss oder, warum sich die Zuständigen der anderen Regionen auf solch eine Namensgebung eingelassen haben, wäre zu hinterfragen. Wenigstens heißt der bekannte Wanderweg noch Rothaarsteig.



Wanderpark- und Rastplätze gehören dazu. Hier, bei Walpersdorf im Netpher Land im jungen Tal der Sieg. Direkt daneben steht diese Infotafel. Gut!


Nun gibt es aktuell auch schon andere Ungereimtheiten. Einem aktuellen Artikel der Siegener Zeitung nach wird seitens der Gemeinde Erndtebrück darauf hingewiesen, dass wohl nicht alle bestehenden Grill-, Rast- und Parkplätze des „alten“ Naturparks im neuen zusammengeschlossenen Park Bestand haben werden. Ein Naturpark ist aber kein Museumsbild, das man nicht anfassen darf, sondern soll den Menschen als Teil der Natur dienen, eben auch als Erholungs- und Freizeitraum im Rahmen der Naturschutzvorgaben. Vielerorts sind Natur- und Nationalparks mit Leben erfüllt.
Unabhängig von der Bezeichnung sollten Ausflügler und Urlauber das Rothaargebirge mit seinen schönen Landschaften, tiefen Wäldern, tollen Ausblicken und den schmucken Dörfern und Städtchen kennenlernen.


Hinweis zum Autor: Jürgen Weller, Journalist und Autor, ist seit 1980 in der Tourismusberatung – Medienauftritte usw. – für Tourismusverbände, Gemeinden und Hotels, Resorts aktiv. Mit seinem Medienbüro + PR DialogPresseweller setzt er die entsprechenden Medienkampagnen direkt um. Seine Reiseberichte und Aktionen sind auflagenmäßig millionenfach gedruckt. Die Heimat Siegerland ist ihm stets ein besonderes Anliegen. Das drückt sich unter anderem in seinen online erscheinenden Magazinen aus. In seinen langen Jahren als Redakteur stellte er Siegen und das Siegerland Zeitungslesern auch außerhalb des Siegerlandes vor und weist bis heute auf besondere Veranstaltungen hin.   

Montag, 1. Februar 2016

Lecker im Siegerland: Riewekooche



Offenporig, Kruste und gern mit „guter Butter“ gegessen: Riewekooche, das Siegerländer Kartoffelbrot. (Fotos/ Montagen: presseweller)


Siegen. Februar 2016. (DiaPrW). Als wir Gäste aus Österreich hatten, waren sie erst einmal skeptisch, ob solch ein Reibekuchen, ein Kartoffelbrot, überhaupt schmeckt. Wir Siegerländer waren früher von klein auf daran gewohnt. Mutter oder Oma buken es zu Hause, außerdem konnte man den „Riewekooche“, wie er im Siegerland – genau wie die Reibeplätzchen - genannt wird, bei den meisten Bäckereien kaufen. Und davon gab es damals noch ganz viele. Aber auch heute noch hat so mancher Bäcker „Reibekuchen“ im Programm. Gut.

Kartoffelbrot gibt es auch weit außerhalb des Siegerlandes mit unterschiedlichsten Bezeichnungen, Zutaten und Macharten, regionsnah zum Beispiel im nahen Westerwald. Jeder hat sein eigenes Rezept. Hauptzutat für den Siegerländer „Riewekooche“ sind rohe, geriebene Kartoffeln.
Nach dem Reiben wird das Kartoffelwasser weitgehend aus der Masse herausgedrückt. Mehl, Hefe, etwas Milch und Salz gehören ebenfalls dazu. Das fertige Backwerk hat eine krosse braune Kruste sowie ein leicht lockeres, poriges Innenleben, von hell- bis dunkelgrau. Der Reibekuchen aus früheren Zeiten hatte auch nie irgendwelche fremde Zutaten oder gar exotische Gewürze. Er war so wie er war gut.
Der „Riewekooche“ wird gern mit „guter Butter“ bestrichen und kann dann seinen Geschmack voll entfalten. Mancher isst ihn auch gern mit Marmelade oder Gelee. Am krossesten und voll im Geschmack ist er am 1. Tag , aber auch noch ein bisschen am 2. Tag nach dem Backen.


Dann einmal zugreifen, bei den Riewekooche-Dongen. 


Mehr als ein Gebäck
Früher wurden im Siegerland, auch bei den kleinen Nebenerwerbslandwirtschaften, neben anderem meist Kartoffeln angebaut. Sie sind die Hauptzutat für das wohlschmeckende und sättigende Brot. Gleichwohl wurde auch „richtiges Brot“ wie Schanzen- oder Schwarzbrot gebacken.
Reibekuchen ist in diesem Landstrich an der Sieg im südwestlichen Westfalen aber mehr als ein Brot. Er ist so typisch, dass der Begriff „Riewekooche“ quasi zum Synonym für „den Siegerländer“ geworden ist. Trifft man sich zufällig außerhalb der Heimat und hört es an der Sprache, dann wird nicht selten gefragt „Best du och e Riewekooche?“ (bist du auch ein Riewekooche, also aus dem Siegerland).
Neben diesem Hauptstück Reibekuchen hat der Siegerländer aber noch ein Kartoffelbrot im Köcher, den Bäckel. Dazu aber später mehr.

Der Siegerländer Autor Georg Hainer hat diesem besonderen Kartoffelbrot im Büchlein „Wo Riewekooche auf den Bäumen wachsen“ aus dem Verlag Buch-JuWel bereits vor vielen Jahren ein „Denkmal“ gesetzt. (jw)

Mehr zum Siegerland auch immer auf http.://www.buch-juwel.de

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Advent in Freudenberg und Seelbach



Dezent und stilvoll geschmückt: Bürgerhaus in Seelbach.(Fotos (c): presseweller)


Nicht überladen, sondern dezent, schön und stilvoll


23. Dezember 2015. Siegen (DiaPrw). Bei denjenigen, die in den Dörfern rund um Freudenberg im Siegerland wohnten, war es schon früher in der Adventszeit so: „Mr gucke moa em Flecke, wat et alles geart“ (mir schauen mal im Flecken, gemeint ist Freudenberg, was es da so alles gibt). Schlussendlich war es aber ebenfalls so, dass man auch „e de Statt“ (in die Stadt, gemeint ist Siegen) fuhr, um „noam Chreskennche zo gucke“ (um nach dem Christkind, in diesem Fall nach Geschenken, zu gucken). Wir waren am 4. Advent in Freudenberg, um uns das überregional bekannte Fachwerkidyll im vorweihnachtlichen Lichterglanz anzuschauen. Unterwegs schauten wir auch noch in Seelbach, an der Straße zwischen Siegen und Freudenberg, vorbei.

„Serlwich“, wie manche in Platt zu Seelbach sagen, hat bereits einige Jahrhunderte auf dem Buckel. Besonders ins Auge fiel uns jedoch ein besonderes und großes Haus: die alte Schule, die seit Jahren Bürgerhaus ist. Damit verbindet sich auch der örtliche Heimatverein. Das Bürgerhaus war weihnachtlich herausgeputzt, aber nicht überladen. Die großen Lichterketten an der Fassade gaben dem Gebäude in der Abenddämmerung einen besonderen Glanz. Man hat damit dezente Akzente gesetzt, die stilvoll sind und zum Haus passen. Schön. Klar, dass so etwas ein Fotomotiv ist.



Hier und da leuchtende Sterne im Fachwerkensemble. 


„Dezenter Schmuck“, das kann man auch zu den Fachwerkgassen in Freudenberg sagen. Manche Häuser hatten Nummerntafeln außerhalb der Hausnummer. Ja, Hintergrund ist der „lebendige“ Adventskalender. Beim jeweiligen Haus gibt es dann an dem Tag wie am 20. Dezember etwas Besonderes zu sehen. Bei unserem Besuch am 4. Advent hatten sich in einer der Altstadtgassen ein Chor und Instrumentalisten eingefunden. 



Weihnachtsbäume gibt es auch. 


Vor Chor und Musikern sammelten sich nach und nach immer mehr Menschen. Es wurden Liedtexte verteilt. Schließlich erklang nach einer instrumentalen Voreinspielung das bekannte Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit ...“, und viele der Umstehenden stimmten mit ein. Besondere Momente an einem Spätnachmittag im Advent, den wir miterleben konnten. Für uns Zufall, weil wir nur einmal sehen wollten, wie sich Freudenberg zum Fest herausgeputzt hatte. (jw)

Nützliche Links


Mittwoch, 9. Dezember 2015

Weihnachtsbesuche früher im Siegerland




In der Johanneskirche in der Eintracht in Siegen, gab es zur Weihnacht kleine Geschenke. (Alle Repros, Fotos (c): presseweller)


An den Feiertagen mit Bus und Bahn und zu Fuß zu den Großeltern


Von Georg Hainer

Dezember 2015. Siegen. Vor Weihnachten ging es öfter in die Stadt. Nach kleinen Geschenken schauen. Wir Kinder drückten uns die Nasen an den Schaufenstern platt. Es gab ja schon reichlich Spielzeug. Bauklötze, Bären, Puppen, Puppenstuben, Burgen. Was das Christkind wohl bringen wird? Manchmal war ein Nikolaus in der Stadt. Mal schauen, was der hat. Die Adventswochen vergingen. Der Heilige Abend stand vor der Tür. Weihnachten. Bescherung und Besuche wie zu Oma und Opa.


In den 1950ern war noch der Nikolaus in der Stadt. 

Weihnachten, das heißt auch heute für viele, die Eltern besuchen, und wenn Enkel da sind, die Großeltern. Früher war das gang und gäbe, auch in den 1950er-Jahren, als noch kein Auto vor der Tür stand. Es war mit etwas Aufwand verbunden, aber alle freuten sich darauf.
Ganz früh nach 1950 kam in der Adventszeit schon einmal der Opa zu uns aus dem Heuslingtal in die Stadt. Er hatte einen grünen Lodenmantel an und einen Rucksack geschultert. Er kam zu Fuß über die Höhe von oberhalb der Zeitenbach, über Seelbach zum Fischbacherberg und von dort über die Schemscheid zu uns auf den Rosterberg. Im Rucksack verbarg sich meist Leckeres vom Land wie Butter und Wurst. Für Normalverdiener waren die Zeiten trotz Währungsreform nicht üppig. Die Verdienste waren aber so, dass Vater Arbeit hatte, man wohnen und essen konnte.Wohnte man nicht zusammen oder lebten die Eltern etwas weiter, feierte man den Heiligen Abend alleine. Zum Teil gab es die Bescherung erst am Weihnachtsmorgen, am 25. Dezember.

Besuche mit dem Bus und zu Fuß

Weihnachten war die Zeit, die Eltern zu besuchen. Für die Enkel: zu Oma und Opa. Hier und da gab es schon mal ein Auto. Den eigenen Wagen konnten sich Normalverdiener meist noch lange nicht leisten, ob als Büroangestellter, Fabrikarbeiter oder kleiner Beamte. Man ging auch weitere Wege zu Besuchen, zur Arbeit oder zur Schule zu Fuß oder nutzte bei weiteren Strecken Bus und Bahn. Das war bei uns am 1. und 2. Weihnachtstag so. Den einen Tag zu Mutters, den anderen zu Vaters Eltern. Ins Heuslingtal fuhren wir mit dem Bus bis Lindenberg und gingen den Rest zu Fuß. Gegen Abend umgekehrt. Damals war das normal, und es machte niemandem was aus. Aber die Stunden, da zu sein, waren schön. Man traf dann im Elternhaus auch die anderen Verwandten, wir Kinder also die Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins. Essen für alle und draußen auf der großen Wiese spielen und tollen. Die Erwachsenen unterhielten sich über dies und das und tranken zusammen ein Bier oder etwas anderes. Fahren musste ja niemand.
Oft gab es neben Kringel, Boden und Riewekooche (Siegerländer Kartoffelbrot) so genanntes Kuchenbrot, ein süßliches Weißbrot, ab und an mit Rosinen, mit guter Butter und hausgemachter Marmelade bestrichen. Köstlich! Wie der Riewekooche. Ein erfüllter Tag!


Klar, überall auch ein kleiner Weihnachtsbaum. 


In den Westerwald

Am anderen Weihnachtstag ging es in den Westerwald bis hinter Gebhardshain. Da musste man schon einige Zeit einplanen. Mit dem Zug nach Betzdorf. Dann mit dem Bus auf die Westerwälder Höhen. Da wir nicht so oft im Jahr dahin fuhren, war das ebenfalls sehr schön. Das ging schon vormittags los. Bei Oma und Tanten stand das Mittagessen nach dem Kirchgang pünktlich um 12 Uhr auf dem Tisch. Oma sagte ein Tischgebet. Da Tante Barbara Hauswirtschaft und Kochen gelernt hatte, war alles einfach nur lecker, von der kräftigen Suppe über den Braten bis zum Gemüse. Wir saßen auf Stühlen und dem Sofa, die Erwachsenen hatten jede Menge Gesprächsstoff – von früher bis zum aktuellen Geschehen im Familienbereich, im Ort und in der Politik. Für uns Kinder, ähnlich wie oben in Heuslingen, boten große Wiesen, Stall und Scheune erlebnisreichen Spielraum. Mal hoch ins Heu steigen. Bis zur Kaffeezeit. Die war um 15 Uhr angesagt. Tante Barbara hatte wunder-genussvolle Buttercremetorten und Böden gezaubert. Weil sie nicht nur kochen, sondern auch bestens backen konnte. Sie machte das rigoros. Merkte sie, dass wider Erwarten ein Kuchen nicht gelingen würde, kam er weg. Sie machte einen neuen. Was war das eine allgemeine und genussvolle Freude an dieser nachmittäglichen Kaffeetafel!

Glücklich und zufrieden

Danach ging für uns der Besuch-Tag zu Ende. Wir mussten mit Bus und Bahn wieder den Anschlüssen gerecht werden, um irgendwann am Abend zu Hause zu sein.
Wenn danach auch wieder Alltag einkehrte: Von den Weihnachtserlebnissen in dieser für heutige Verhältnisse bescheidenen Einfachheit konnten wir stets noch lange zehren. Wundersam, nur schön! Es hatte was von Glücklichsein und Zufriedenheit.
Seit 1961 hatten wir es einfacher. Mit dem eigenen Auto konnte man öfter einmal Besuche machen. Und es wurden noch viele. Es war sicher so Mitte der 1930er-Jahre eine tolle Idee mit Porsche-/Volkswagenwerk ein für viele finanzierbares Auto zu bauen. Unser erstes Auto war dennoch kein Volkswagen, sondern ein Ford, ein 12 M mit Weltkugel, andere hatten einen Goggo, Fiat oder Lloyd.

Hintergrund

Bis Mitte der 1950er-Jahre gab es keine großen Weihnachtsgeschenke, aber auch die kleinen machten den Kindern Freude, ebenso wie die Geschenke, die Vater und Mutter austauschten. Seit Ende der 1940er-Jahre hatten die meisten Väter wieder einen richtigen Arbeitsplatz, ob in einer der Fabriken wie Waldrich oder Bertram, in eine der Hütten wie in Niederschelderhütte, im Stahlwerk wie in Geisweid usw. usw. Andere arbeiteten im Handwerk, bei Behörden, bei Post, Fernamt oder Bahn. Bei den normalen Arbeitern, Angestellten und Beamten, die nicht in höheren Stellen oder Ämtern tätig waren, war der Lohn irgendwo auf ähnlichem Niveau. Man konnte keine "großen Sprünge" machen. Aber es reichte zum Leben, wenn es auch manchmal zum Monatsende hin knapp wurde. Für eine Wohnung mit zwei Zimmern und Küche zahlte man um die 30 bis 40 Mark, gute deutsche D-Mark. Vater und/ oder Mutter - die selten berufstätig war -  waren länger auf der Arbeit als heute. Aber die Zeit schien auch für uns Kinder - Schule nur bis mittags, dann zum Mittagessen nach Hause - weit weniger schnelllebig und hektisch als heute zu sein. Trotz wenigen, aber auskömmlichen Geldes der Eltern eine rundum glückliche Kindheit!